Münsterland-Zeitung 27. November 2017

Der Heimatverein und die Kunst
Neues Wahrzeichen für Asbeck

Freude bei Vorstand, Künstler und Vertretern der Volksbank: (v.l.) Thierno Diallo, Elmar Lieftucht, Bernhard Laukötter, Anneliese Eynck, Frank Overkamp, Ludwig Maria Vongries, Helmut Schiermann, Jens Sprey, Rebecca Brüggemann, Burkhard Ottmann, Monika Kerkhoff und Matze Nettels. Foto: Privat

Acht Meter hoch wird die Skulptur, die der Heimatverein Asbeck am Dorfteich aufstellen will. Ohne Unterstützung gelingt das aber nicht.

Zwei lange bearbeitete Holzstämme, gehalten von Stahl – es wird ein ungewöhnliches Kunstwerk für das Stiftsdorf. Und ein hervorragender Startpunkt für Skulp|Tour|A. Seit geraumer Zeit arbeitet der Heimatverein Legden an der Skulpturenroute in und um Asbeck. Fast genauso lange liebäugelt der Verein mit der Arbeit „long double nudes“ des Künstlers Ludwig Maria Vongries.

Viele Ideen wurden bereits entwickelt, um die Finanzierung zu sichern. Jetzt brachten Frank Overkamp, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Gronau Ahaus, und Jens Sprey, Filialleiter für Legden und Asbeck, dem Heimatverein Asbeck die gute Nachricht: Aus den Spendenmitteln des Gewinnsparens werden dem Heimatverein finanzielle Mittel zur Anschaffung einer Skulptur zur Verfügung gestellt. Immerhin 8000 Euro.

Neue Ortsansichten

„Mit dieser Unterstützung kann es nun endlich losgehen“, sagt Bernhard Laukötter, Vorsitzender des Asbecker Heimatvereins. „Ich freue mich riesig darüber.“ Er ist begeistert von den Arbeiten des Künstlers, dessen große Skulpturen seit September dem Ortskern ganz neue Ansichten verschaffen. Viel positive Resonanz hat er dafür bekommen. „Da traut sich ein Heimatverein was“, solche Kommentare freuen ihn.

Startschuss also für die Route und Startschuss für die Erstellung der Skulptur. Diese raumgreifende Arbeit aus Eichenholz und Stahl gibt es bisher lediglich als Modell. Das gilt für viele Arbeiten von Ludwig Maria Vongries, der große und schwere Formate bevorzugt. Alle seine Werke gleich in Originalgröße herzustellen, würde den Künstler nicht nur aus finanziellen Gründen überfordern.

Das Werk, das dauerhaft in Asbeck bleiben wird, hat die Gesamthöhe von acht Metern. „Das kann sich zunächst befremdlich anhören“, gibt Bernhard Laukötter zu, „aber für den Standort am Dorfteich ist sie wie bestellt. Damit werden weitere Kontraste im Stiftsdorf deutlich sichtbar“. Wer auf den neuen Stufen steht, wird auf die Skulptur auf der anderen Teichseite sehen. Noch vor Ostern soll das Kunstwerk aufgestellt werden.

Materialien verbinden sich

Auf der neu gestalteten Fläche soll ein weiteres Werk stehen, das bisher Teil der Ausstellung „Am Rande der Welt“ im Dormitorium war. Diese Skulptur bleibt wie die anderen Werke von Vongries bis Ende September 2018 in Asbeck. „Sie muss noch für den Außenbereich ertüchtigt werden“, sagt Bernhard Laukötter.

Es sind die Kontraste, die Laukötter besonders an den Werken von Ludwig Maria Vongries begeistern. Das gilt zum einen für die Werke selbst, in denen sich mit Eichenholz und Stahl Materialien verbinden, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Die Leichtigkeit des Holzes und die Schwere des Stahls gehen eine aktive Beziehung ein, die sich über die Jahre durch Umwelteinflüsse verändern wird. Zum anderen sind da die Kontraste zwischen dieser modernen Kunst und den historischen Bauten.

Groß ist die Freude beim Heimatverein über die Spende für Kunst. „Das ist nicht selbstverständlich“, so Laukötter. Jens Sprey sagt zur Entscheidung der Volksbank: „Wir freuen uns, das kulturelle Engagement in Asbeck aus den Spendenmitteln des Gewinnsparens zu unterstützen. Gerade Aufgaben, die erst auf den zweiten Blick einen greifbaren Nutzen haben, kommen oft viel zu kurz.“

Die Skulpturenroute wird rund drei Kilometer durch und um Asbeck führen.

Start ist am Dorfteich. Am Wege stehen Skulpturen, aber auch Naturdenkmäler wie die Dicke Linde, Bildstöke und etliche Kreuzwegstationen.

Die „Skulp|Tour|A“ wurde gemeinsam mit der Umgestaltung des Asbecker Dorfteichs als ein Leader-Projekt auf den Weg gebracht.

10.000 Euro wurden dafür veranschlagt, 6500 Euro beträgt der Zuschuss. Dafür werden Beschilderung, Flyer oder Fundamente finanziert. Für die Skulpturen zahlt der Heimatverein.

Ronny von Wangenheim

Münsterland-Zeitung,  23. September 2017
Kunstwerke im Stiftsdorf

Asbeck Stahl und Eichenholz – zwei Materialien wie für die Ewigkeit bestimmt. Aus ihnen sind die Skulpturen von Ludwig Maria Vongries, die jetzt in Asbeck stehen. Am Rande der Welt.

Wenn Holz und Stahl aufeinandertreffen

Warum Ludwig Maria Vongries gerade diesen Titel gewählt hat, wird er vielleicht am Sonntag erzählen, wenn um 11 Uhr seine Ausstellung im Dormitorium eröffnet wird. Meint er das kleine Stiftsdorf mit seinem historischen Kern? Egal, auf jeden Fall ist da viel Poesie – in den vier Worten genauso wie in den Werken des Künstlers.

Gedanken und Assoziationen 

Der schwere, große Block vor der Stiftskirche fällt auf. Zwei halbe Baumstämme sind durch den Stahlwürfel gezogen. Welche Kraft dazu notwendig war? Wie fühlen sich die Materialien an? Wie verschieden sind die Formen, die so gar nicht und doch auch so gut zusammenpassen. Viele Gedanken, Assoziationen entstehen, wenn man vor den Arbeiten von Vongries steht. Und anfassen will man sie auch. Genauso will es der Künstler. Er sagt: „Bilder, Skulpturen sollten da sein, dass die Menschen stolpern im Kopf.“

Gespannt auf Reaktionen

Das Ziel wird er erreichen in Asbeck. Bernhard Laukötter, Vorsitzender des Heimatvereins Asbeck, ist gespannt auf die Reaktionen auf die ungewohnte Kunst. Er freut sich, dass die Skulpturen, die mit schwerem Gerät antransportiert wurden, ein Jahr lang im Stiftsdorf stehen bleiben werden. 
Vongries, übrigens ein Künstlername, hat Theologie und Philosophie studiert, hat sich früh mit Kunst beschäftigt. Richard Serra nennt er als einen der Künstler, die ihn beeinflusst haben. Die Frage, wie sich Körper und Raum beeinflussen, verbindet beide.

Immer Unterschiede

Drinnen im Dormitorium bekommt man eine Vorstellung, wie Ludwig Maria Vongries arbeitet. Manches sind eigenständige Arbeiten, andere sind Modelle, die im Format 1:10 entstehen. Auch hier treffen Holz, meist als halbierte Stämme, und Stahl, meist als Platten, aufeinander. Sie ergänzen sich und stoßen sich ab. Formal, optisch, haptisch – immer sind da die Unterschiede.
Und manchmal definiert sich eine Skulptur auch über die Zwischenräume. „Der Blick wird auf das gelenkt, was nicht da ist“, sagt Vongries. Dass er Theologie studiert hat, wird sicher seine Werke beeinflussen. Den Betrachter allerdings will er nicht in eine Richtung lenken. „Ich habe keine Botschaft“, sagt er. „Die Kunst lebt von der Vieldeutigkeit.“
Spät ist der 57-Jährige zur Kunst gekommen. „Wie eine Marienerscheinung“, so erzählt er, hatte er eines Nachts die erste Arbeit im Kopf. „Large Column“ – zwei Hölzer, vertikal an einer Stahlnadel hängend, die Spitze vergoldet – an der Ecke Stiftsstraße und Brückenstraße zeigt Vongries, wie es 2012 anfing.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 24. September, 11 Uhr, im Dormitorium an der Stiftsstraße 20, spricht Dr. Reinhold Hülsewiesche. Die Arbeiten im Dormitorium sind bis Mitte Oktober zu sehen, Samstag und Sonntag, 14.30 bis 17.30 Uhr. Die Arbeiten im Außenraum bleiben ein Jahr in Asbeck.

 

Ronny von Wangenheim

Am Rande der Welt

Katalog zur Ausstellung in Asbeck ( ab September 2017)

Katalog

20 Seiten, vierfarbig

21 x 14,5 cm

pdf Datei zum Download

Zwischen Himmel und Erde

Katalog zur Ausstellung in der Benediktiner-Abtei Gerleve ( September 2016 - September 2017)

Der Katalog zur Ausstellung ist in der Klosterbuchhandlung in Gerleve erhältlich.
Gerne schicken wir Ihnen den Katalog auch zu.

48 Seiten
21 x 25 cm
Preis: 10 €

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