SKULPTUREN AUS HOLZ UND STAHL

Abstrakte Zeichen im Raum

Zu den Skulpturen von Ludwig Maria Vongries
Friedhelm Mennekes

Die Kunst von Ludwig Maria Vongries hat für mich die Eigenschaft, dass sie nicht nur sich selbst präsentiert, sondern dass sie auch anderes entdecken lässt, das der normale Zeitgenosse nicht mehr sieht, bzw. nicht mehr zu sehen gelernt hat. Es ist ein Sehen aus dem Kontrast, ein dialektisches Begreifen, das erst im Erfassen einer kunstbegeisterten Zweiheit zur Wahrnehmung der jeweiligen Einheit freigesetzt wird.

Die relative Leichtigkeit des Holzes und die Schwere von Eisen und Stahl entsprechen als Material der Selbstverständlichkeit, mit der sich die Arbeiten schließlich an einem Ort einfinden. Die abstrakte ‚Sprache‘ der Komposition korrespondiert mit der vielgliedrigen, mit ihrer Umgebung kommunizierenden Vernetzungen und Verortungen ihrer Positionen. Das Ergebnis ist dann für sehr viele Menschen nie anstößig, wohl aber anstoßend: Die Arbeiten ziehen eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich, lenken aber dann durch die Klarheit ihrer Form und ihrer Weise zu sein, den Blick auf das Umfeld und vermitteln die verblüffende Erfahrung, einen bestimmten Raum auf eine ganz neue Weise wahrzunehmen. Sie entschlüsseln den Blick. Sie sind – obwohl ganz und gar gegenständliche Skulptur – Tore zur Wahrnehmung. Das schätze ich an ihnen vor allem.

Alle seine Arbeiten prägen auf je eigene Weise die Räume, in denen sie aufgestellt sind; ja, durch ihre bloße unbedingte Präsenz befragen sie die räumlichen und inhaltlich definierbaren Bedingungsfaktoren ihrer Umgebung und vermögen in den geistigen Prozessen, die sie auslösen, deren einzelne Faktoren offenzulegen. Darin besteht das Aktive, Ansprechende und Impulsgebende dieser Werke. In ihren Bann wird schließlich auch der Betrachter selbst hineingenommen.