"Am Rande der Welt"

Cube

140 x 370 x 140 cm

Stahl, Holz

 

Bernhard Laukötter

Eine Ausstellung im Stift Asbeck mit dem Titel „Am Rande der Welt“ muss zwangsläufig zum Schmunzeln ermuntern.

Asbeck, dieses 1300-Seelen-Dorf in den Tiefen des Münsterlandes, scheint es nicht wirklich am Rande der Welt zu liegen?

Dies wird in der Vergangenheit auch so mancher Reisende auf dem Weg nach Asbeck gedacht haben. Denken wir an die 1771 in Düsseldorf geborene Therese von Zandt, die im Alter von elf Jahren in das Stift Asbeck zur Erziehung und Ausbildung kam. Eine Dame, die 1805, ein Kind erwartend, den mühsamen Weg von Regensburg nach Asbeck nahm, um hier eine Unterschrift zu leisten, damit die drohende Schließung des freiweltlichen Stiftes verhindert werden kann. Die den „Rand der Welt“ dann aber kurzfristig wieder verließ, um das Kind in einem Regensburger Gasthof zur Welt zu bringen.

Asbeck, am Rande der Welt, so wird vielleicht auch der kaiserliche Hofbeamte in Wien gedacht haben, als er der Äbtissin des Stiftes Asbeck im Oktober 1803 mitteilen ließ, die Stiftsdame Therese von Zandt wieder in den Genuss ihrer Präbende gelangen zu lassen.

Vielleicht hat auch der Wiener Bankmitarbeiter Asbeck am Rand der Welt vermutet, der für das adelige Stift Asbeck die Konten führte.

Ludwig van Beethoven wird Asbeck ebenfalls am Rande der Welt verschlagen haben als seine Geliebte, die Asbecker Stiftsdame Therese von Zandt, ihm von ihrem Aufenthalt im Stift Asbeck erzählte.

Heute - 925 Jahre nach der Ersterwähnung des Ortes im Jahre 1098 -  hat sich die geographische Lage des Ortes nicht verändert. Aber die Kunst im Stift Asbeck rückt den Ort an manchen Tagen des Jahres ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dies geschieht aktuell durch die Ausstellung von Ludwig Maria VONGRIES.  Seine Kunst wird den beschaulichen Ort über ein Jahr prägen. Ich danke Frau Dr. Annette Georgi für ihre Künstlerempfehlung. Sie war es, die den Künstler Ludwig Maria VONGRIES und Asbeck zusammenbrachte, und so die Ausstellung  - Am Rande der Welt -  erst ermöglichte.

Large Space 

300 x 80 x 400 cm

Stahl, Holz

Large Column

100 x 100 x 500 cm

Stahl, Holz

Little Space

120 x 80 x 200 cm

Stahl, Holz

Two Pieces
Standplatz: Dormitoirum

Two Pieces

140 x 60 x 220 cm

Stahl, Holz

Two pieces
Neuer Standplatz: Am Dorfteich

Two Pieces
Stahl, Holz
140 x 60 x 220 cm

Four big plates

35 x 14 x 24 cm

Stahl, Holz

Large frame

15 x 15 x 57 cm

Stahl, Holz

One Plate

42 x 15 x 13 cm

Stahl, Holz

Two very long pieces

18 x 32 x 40 cm

Stahl, Holz

Künstler und Material im Dialog

Dr. Reinhold Hülsewiesche

Die mir bekannte Literatur über seine Kunst weicht einer Festlegung gern aus, nennt seine Werke schlicht "Arbeiten" oder legt sie auf die Bezeichnung "Skulpturen" fest. Es ist dabei festzuhalten, dass „Skulptur“ vom lateinischen sculpere, Meißelarbeit in Stein oder Holz kommt und Plastik die Arbeit  mit modellierbaren Stoffen wie Ton, Gips oder Stuck meint, aber auch mit gießbarem Material, wie z.B. Eisen. Durch solche definitorischen Festlegungen wird klar, dass die ausschließliche Zuschreibung an ein Genre für Vongries Werke schwer möglich scheint. Es ist geradezu so, dass er trotz seiner selbstgewählten, bewussten Eingrenzung auf die zwei Werkstoffe Stahl und Holz im Bezug auf Genres eher auf Entgrenzung zielt.

Seine beiden Materialien, das gerundete, schrundige Eichenholz, das auf mich altersweise und ehrfurchtgebietend wirkt, und das eckige, kantige Metall, Cor-Ten Stahl. Dieser Stahl, in Amerika entwickelt, setzt sich als Begriff aus den Bestandteilen Cor für Korrosion und Ten für Tensile Strength also Zugfestigkeit zusammen. Diese beiden Materialien bringt er in seinen Werken in Beziehungen, die ganz unterschiedlich sind, die aber immer, da es eben nur zwei sind, sich im Dialog befinden. Beide sind dabei, wie es sich in einem Dialog gehört, keineswegs im Modus des Stillstands. Sie reagieren etwa auf die umgebende Natur, das Wetter und in diesem Dialog verändert sich ihre Farbigkeit, ihre Härte, ihre Oberflächenstruktur.

Erstaunlich ist es für den Betrachter, welche unterschiedlichen Formen der Zwiesprache zwischen den Materialien Vongries findet. Einmal scheint das Holz das Metall zu durchbohren, ein anderes Mal klemmt sich das Metall bescheiden zwischen zwei Halbstämme, zeigt aber, geradezu vorwitzig, eine goldene Spitze. In einer dritten von vielen anderen Variationen bilden diese gemeinsam den Rahmen für eine Veränderung der Sicht auf die vertraute Umgebung.

 

 

Am Rande der Welt - Katalog

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Münsterland-Zeitung,  23. September 2017
Kunstwerke im Stiftsdorf

Asbeck Stahl und Eichenholz – zwei Materialien wie für die Ewigkeit bestimmt. Aus ihnen sind die Skulpturen von Ludwig Maria Vongries, die jetzt in Asbeck stehen. Am Rande der Welt

Wenn Holz und Stahl aufeinandertreffen

Warum Ludwig Maria Vongries gerade diesen Titel gewählt hat, wird er vielleicht am Sonntag erzählen, wenn um 11 Uhr seine Ausstellung im Dormitorium eröffnet wird. Meint er das kleine Stiftsdorf mit seinem historischen Kern? Egal, auf jeden Fall ist da viel Poesie – in den vier Worten genauso wie in den Werken des Künstlers.

Gedanken und Assoziationen 

Der schwere, große Block vor der Stiftskirche fällt auf. Zwei halbe Baumstämme sind durch den Stahlwürfel gezogen. Welche Kraft dazu notwendig war? Wie fühlen sich die Materialien an? Wie verschieden sind die Formen, die so gar nicht und doch auch so gut zusammenpassen. Viele Gedanken, Assoziationen entstehen, wenn man vor den Arbeiten von Vongries steht. Und anfassen will man sie auch. Genauso will es der Künstler. Er sagt: „Bilder, Skulpturen sollten da sein, dass die Menschen stolpern im Kopf.“

Gespannt auf Reaktionen

Das Ziel wird er erreichen in Asbeck. Bernhard Laukötter, Vorsitzender des Heimatvereins Asbeck, ist gespannt auf die Reaktionen auf die ungewohnte Kunst. Er freut sich, dass die Skulpturen, die mit schwerem Gerät antransportiert wurden, ein Jahr lang im Stiftsdorf stehen bleiben werden. 
Vongries, übrigens ein Künstlername, hat Theologie und Philosophie studiert, hat sich früh mit Kunst beschäftigt. Richard Serra nennt er als einen der Künstler, die ihn beeinflusst haben. Die Frage, wie sich Körper und Raum beeinflussen, verbindet beide.

Immer Unterschiede

Drinnen im Dormitorium bekommt man eine Vorstellung, wie Ludwig Maria Vongries arbeitet. Manches sind eigenständige Arbeiten, andere sind Modelle, die im Format 1:10 entstehen. Auch hier treffen Holz, meist als halbierte Stämme, und Stahl, meist als Platten, aufeinander. Sie ergänzen sich und stoßen sich ab. Formal, optisch, haptisch – immer sind da die Unterschiede.
Und manchmal definiert sich eine Skulptur auch über die Zwischenräume. „Der Blick wird auf das gelenkt, was nicht da ist“, sagt Vongries. Dass er Theologie studiert hat, wird sicher seine Werke beeinflussen. Den Betrachter allerdings will er nicht in eine Richtung lenken. „Ich habe keine Botschaft“, sagt er. „Die Kunst lebt von der Vieldeutigkeit.“
Spät ist der 57-Jährige zur Kunst gekommen. „Wie eine Marienerscheinung“, so erzählt er, hatte er eines Nachts die erste Arbeit im Kopf. „Large Column“ – zwei Hölzer, vertikal an einer Stahlnadel hängend, die Spitze vergoldet – an der Ecke Stiftsstraße und Brückenstraße zeigt Vongries, wie es 2012 anfing.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 24. September, 11 Uhr, im Dormitorium an der Stiftsstraße 20, spricht Dr. Reinhold Hülsewiesche. Die Arbeiten im Dormitorium sind bis Mitte Oktober zu sehen, Samstag und Sonntag, 14.30 bis 17.30 Uhr. Die Arbeiten im Außenraum bleiben ein Jahr in Asbeck.

Ronny von Wangenheim